Cadia

Der Fall von Cadia – Die Welt, die dem Chaos im Weg stand

Nur wenige Welten im Imperium der Menschheit waren von solcher Bedeutung wie Cadia. Über zehntausend Jahre hinweg stand der Planet von der Menschheit besetzt am Rand des Auge des Schreckens und versperrte den Mächten des Chaos einen der wichtigsten Wege in den imperialen Raum. Generation für Generation wurden die Bewohner Cadias darauf vorbereitet, genau eine Aufgabe zu erfüllen: den Feind aufzuhalten, der jenseits der Sterne wartete.

Cadia war eine Festungswelt, doch ihre wahre Stärke lag nicht allein in ihren Mauern. Die Cadianer waren Soldaten, die den Krieg als Teil ihres Lebens verstanden. Schon Kinder lernten den Umgang mit Waffen und wurden auf eine Zukunft vorbereitet, in der sie vielleicht eines Tages an einer der vielen Fronten des Imperiums sterben würden. Für sie war die Verteidigung ihrer Heimat keine besondere Pflicht. Sie war selbstverständlich und gehörte zu ihrer Tradition.

Über Jahrtausende bewahrte Cadia das Imperium vor den Heeren des Chaos. Immer wieder versuchten die Mächte des Warp vorzudringen, und immer wieder fanden sie dort einen Gegner, der sich weigerte zu weichen.

Cadia stand.

Doch dann kam eine Armee, die nicht mehr versuchen würde, Cadia zu erobern. Sie würde versuchen, die Welt selbst zu zerstören.

Der Feind kehrt zurück

Der Name dieses Feindes war Abaddon der Vernichter und die Black Legion, die er anführt.

Als ehemaliger Erste Hauptmann der Luna Wolves und späterer Anführer der Black Legion hatte Abaddon bereits zwölf Schwarze Kreuzzüge gegen das Imperium geführt. Jeder dieser Feldzüge hatte andere Ziele verfolgt, und nicht jeder war unmittelbar gegen Cadia gerichtet. Doch mit jedem Kreuzzug wuchs Abaddons Einfluss. Er sammelte Anhänger, Waffen und Wissen und lernte aus seinen vergangenen Niederlagen.

Cadia war für ihn kein unbekannter Gegner. Er wusste, dass die Festungswelt nicht einfach durch einen weiteren Frontalangriff fallen würde. Die Cadianer waren zu gut vorbereitet, ihre Festungen zu stark und die imperialen Verteidiger zu zahlreich. Der 13. Schwarze Kreuzzug sollte deshalb anders werden. Abaddon wollte nicht nur eine Schlacht gewinnen. Er wollte das Gleichgewicht zwischen dem Imperium und dem Chaos dauerhaft verändern.

Und dafür musste Cadia fallen.

Der 13. Schwarze Kreuzzug

Als die Armeen des Chaos schließlich am Tor von Cadia erschienen, begann eine der größten Invasionen in der Geschichte des Imperiums. Chaos Space Marines, Verräterregimenter, Kultisten, Dämonen und gewaltige Flotten griffen die imperialen Verteidigungsanlagen an. Cadia wurde zum Zentrum eines Krieges, dessen Ausmaß kaum noch zu erfassen war.

Doch die Welt fiel nicht.

Die Cadianer kämpften um jede Stellung und um jede Festung. Selbst als die Verluste immer weiter stiegen, hielten die imperialen Truppen ihre Linien. Für jeden gefallenen Soldaten standen andere bereit, seinen Platz einzunehmen. Auch innerhalb der imperialen Reihen kam es zu Verrat. Auf den Tyrokfeldern wandten sich Einheiten der Volscani gegen ihre eigenen Kameraden und richteten unter den versammelten imperialen Streitkräften ein Blutbad an. Der Angriff zeigte, dass das Chaos nicht nur vor den Toren Cadias stand. Es hatte bereits begonnen, die Verteidiger von innen heraus zu zerreißen.

Trotz allem gelang es den Cadianern, die ersten großen Angriffe zurückzuschlagen. Für einen kurzen Moment schien es, als könnte Cadia erneut standhalten, doch genau darauf hatte Abaddon gewartet. Denn der Krieg, den die Cadianer sahen, war nicht derselbe Krieg, den Abaddon führte.

Abaddons wahres Ziel

Cadia zu erobern war niemals Abaddons eigentlicher Plan gewesen. Der Schlüssel zu seiner Strategie waren die geheimnisvollen Pylonen, die über Cadia verteilt standen. Diese uralten Konstruktionen hatten eine stabilisierende Wirkung auf den Warp und trugen dazu bei, den Einfluss des Auge des Schreckens in der Region einzudämmen. Solange Cadia und ihre Pylonen standen, blieb das Tor von Cadia eine gewaltige Barriere gegen das Chaos. Abaddon musste diese Barriere zerstören, deshalb wurden die imperialen Verteidiger nicht einfach mit immer größeren Armeen überwältigt. Stattdessen richteten sich die Angriffe zunehmend gegen die Strukturen, die Cadias Verteidigung überhaupt erst ermöglichten.

Während die Cadianer ihre Festungen verteidigten, bereitete Abaddon den entscheidenden Schlag vor: Ein gewaltiges orbitales Bombardement durch Abaddons Flotte, geführt von der schwarzen Festung „Wille der Ewigkeit“, sollte nun zur Vernichtung einer ganzen Welt eingesetzt werden.

Die letzten Tage von Cadia

Mit jedem weiteren Angriff wurde die Lage verzweifelter. Festungen fielen, imperiale Truppen wurden aufgerieben und die Verteidiger mussten immer mehr Raum aufgeben. Doch selbst jetzt weigerten sich die Cadianer, ihre Heimat preiszugeben. Für sie war Cadia längst mehr als nur ein Planet geworden. Sie war ein Symbol für den Widerstand gegen das Chaos. Viele der Soldaten, die dort kämpften, wussten, dass ihre Überlebenschancen mit jedem Tag geringer wurden. Trotzdem blieben sie an ihren Stellungen.

Dann begann das, was selbst für Cadia zu viel war. Die Verteidigungsschilde wurden zerstört beziehungsweise außer Funktion gesetzt. Der Schutz, die Cadia über Jahrtausende zu einem Bollwerk gegen das Auge des Schreckens gemacht hatte, brach zusammen. Und noch immer kämpften die Cadianer.

Eine Welt zerbricht

Am Ende war selbst die gewaltigste Festung nicht stark genug. Abaddon setzte die „Wille der Ewigkeit“ gegen Cadia ein. Ihre Trümmer trafen den bereits schwer beschädigten Planeten mit einer Gewalt, der nichts auf seiner Oberfläche widerstehen konnte. Cadia wurde aus seiner Umlaufbahn geworfen und auseinandergerissen. Städte, Festungen und ganze Landschaften verschwanden. Die Welt, die zehntausend Jahre lang an der Grenze zum Auge des Schreckens gestanden hatte, existierte nicht mehr. Doch während der Planet zerbrach, kämpften die Überlebenden weiter um die Möglichkeit, Cadia noch zu verlassen.

Imperiale Schiffe versuchten, Truppen und Zivilisten aufzunehmen, während Chaosflotten Jagd auf die Flüchtenden machten. Nicht jeder konnte gerettet werden. Viele Cadianer starben auf ihrer Heimatwelt, während andere gezwungen waren, mit anzusehen, wie der Planet, den sie ihr ganzes Leben lang verteidigt hatten, unter ihnen zerfiel. Für diejenigen, die entkommen konnten, war der Krieg jedoch noch nicht vorbei, sie würden Cadia mit sich tragen.

Der Tod Cadias und die Geburt des Großen Risses

Mit der Zerstörung Cadias war der Sieg Abaddons vollständig. Doch die Folgen gingen weit über den Verlust einer einzelnen Welt hinaus. Das Auge des Schreckens konnte sich nun ohne die Pylonen des Planeten mit gewaltiger Kraft in den imperialen Raum ausbreiten. Die Realität selbst wurde aufgerissen und die Cicatrix Maledictum, der Große Riss, entstand.

Die Galaxis wurde dadurch praktisch in zwei Teile geteilt. Zahlreiche Welten wurden voneinander abgeschnitten, die Kommunikation brach zusammen und Billionen von Menschen fanden sich plötzlich auf der falschen Seite des Risses wieder. Das Imperium war nicht mehr dasselbe, Cadia war gefallen, und ihr Untergang hatte eine neue Epoche eingeläutet.

Cadia ist tot. Die Cadianer sind es nicht.

Vielleicht liegt die größte Ironie des Falls von Cadia darin, dass Abaddon zwar die Welt zerstören konnte, aber nicht das, wofür sie stand. Die überlebenden Cadianer kämpften weiter. Ihre Regimenter wurden neu aufgestellt, ihre Uniformen blieben im Einsatz und ihre Traditionen wurden von den Überlebenden weitergetragen. Cadia war keine unbesiegbare Welt gewesen. Sie war eine Welt gewesen, deren Bewohner immer wieder bereit waren, sich dem Unmöglichen entgegenzustellen, und genau deshalb wurde ihr Name zu einer Legende.

Cadia musste nicht ewig bestehen, sie musste nur lange genug bestehen, damit das Imperium überleben konnte. Zehntausend Jahre lang erfüllte sie diese Aufgabe, dann fiel sie.

Das Vermächtnis von Cadia

Der Fall Cadias gehört zu den bedeutendsten Wendepunkten der Geschichte von Warhammer 40K. Mit dem Untergang der Festungswelt endete nicht einfach ein weiterer Schwarzer Kreuzzug. Das Kräfteverhältnis zwischen Imperium und Chaos veränderte sich grundlegend, und die Entstehung des Großen Risses leitete eine neue Epoche der Geschichte der Menschheit ein. Doch der Fall Cadias ist deshalb so eindrucksvoll, weil es keine Geschichte über einen glorreichen Sieg ist.

Cadia wurde zerstört. Abaddon erreichte sein Ziel. Milliarden starben.

Und trotzdem bleibt von dieser Niederlage etwas zurück, das das Chaos niemals vollständig vernichten konnte: der Wille zum Widerstand. Die Welt ist verschwunden, die Festungen liegen in Trümmern. Doch die Soldaten, die von dort stammen, kämpfen noch immer.

Vielleicht ist das die eigentliche Bedeutung von „Cadia steht“.

Es bedeutet nicht, dass Cadia niemals fallen kann. Es bedeutet, dass selbst dann, wenn alles verloren scheint, jemand noch immer aufstehen und den Feind erwarten wird.

Der Planet Cadia steht nicht mehr.

Aber die Cadianer und ihr Wille leben weiter.

 

> Schaut euch hier Informationen zu einer weiteren Legion des Chaos an: Mit Fulgrim, dem Dämonenprimarchen der Imperors Children

 

Quellen:

  • The Fall of Cadia – Robert Rath, Black Library
  • Gathering Storm: Fall of Cadia – Games Workshop
  • Codex: Eye of Terror – Games Workshop
  • Lexicanum

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