Storm Psychologie Teil 2: Kognitive Dissonanz

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Storm Psychologie Teil 2: Kognitive Dissonanz

Die Meisten wissen gar nicht, welchen entscheidenden Einfluss die Psychologie haben kann. So tauchen in Online-Games massig viele psychologische Grundlagen auf, die nicht nur unsere Entscheidungen maßgeblich beeinflussen, sondern auch das Verhalten der Spieler.

Nimmt man sich mal ein wenig Zeit, um diese Grundlagen genauer unter die Lupe zu nehmen, so wird man feststellen, dass man diese Konzepte auch wunderbar auf das eigene Spiel und die eigene Spielweise positiv übertragen kann.

Es ist also mal wieder an der Zeit, meine verstaubten Diplome aus den Ecken zu graben um euch einen weiteren Einblick in die wichtige Storm Psychologie zu gewähren. Der zweite Teil unserer Serie beschäftigt sich hier mit der „Kognitiven Unstimmigkeit“– fachsprachlich auch „Kognitive Dissonanz“ genannt.

Teil 1 der Storm Psychologie „Gratifikation“ findest du hier:

Wikipedias Zusammenfassung über die Kognitive Dissonanz lautet: „ […] als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere Kognitionen hat – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten –, die nicht miteinander vereinbar sind.“

Das klingt zunächst erstmal ziemlich wirr. So wie ich es selbst aber gerne beschreibe, ist die Dissonanz immer das eklige Gefühl dann, wenn man etwas ganz anderes erwartet hat, als man eigentlich bekommen hat. Also, stell dir einmal vor: Du gehst normalerweise um Mitternacht ins Bett aber diesmal bleibst du einfach mal noch zwei Stunden länger wach, um Heroes zu suchten. In dieser Zeit könntest du dich eventuell schuldig oder beschämt fühlen, da sich dein Gewissen gerade mit der neuen Begebenheit (des Weiterzockens) anfreunden muss. Die eine Seite in dir möchte unbedingt noch einen neuen Rank erreichen, die andere Seite aber hämmert dir ins Gewissen, dass du gefälligst ins Bett gehen sollst. Quasi ein Zwiespalt. Man kann sich das auch ein wenig wie „Cho’gall“ mit seinen 2 Köpfen vorstellen. Der eine will da lang, der andere aber ganz woanders hin.

Der größte Einfluss der Kognitiven Dissonanz in Videospielen kommt von der sogenannten Dissonanzreduktion (fachsprachlich: Dissonanzauflösung). Das kommt uns immer dann in den Sinn, wenn wir eilig nach einer Entschuldigung oder Rechtfertigung für unser derzeitiges Tun suchen. Dieses allseits bekannte Phänomen hat sogar einen Namen, und zwar: „Saure Trauben“. Dieser Titel beruht auf der griechischen Fabel: „Der Fuchs und die Trauben“. In dieser Geschichte erspäht der Fuchs Trauben an einem Baum und hält diese für außerordentlich köstlich. Dadurch, dass er sie aber nicht erreichen kann, wendet der Fuchs sich von ihnen ab und behauptet für sich selbst, die Trauben seien sauer. Der Fuchs hatte somit Erwartungen, die aber nicht eintreten würden (Dissonanz) und so hat er sich selbst eigene Gedanken (Kognition) geschaffen, um diesen Misstand erträglicher zu gestalten (Dissonanzreduktion).

Ich selbst glaube, dass die Kognitive Dissonanz in Spielen unumgehbar ist. Sich selbst damit vertraut machen, sich selbst mit negativen Versuchen auseinander zu setzen, wird sich deutlich auf eure Spielweise niederschlagen und sie auch wesentlich verbessern – auch in Heroes of the Storm.

Instances of Cognitive Dissonance – Phasen der Kognitiven Dissonanz

Ich denke es ist sehr wichtig einige Beispiele der Kognitiven Dissonanz aufzuzeigen. Diese Momente in Games zu erkennen und richtig zu deuten, werden aus dir einen wesentlich besseren Spieler zaubern, da sie dir nicht nur eine neue Spielperspektive bescheren werden, sondern dich als Spieler auch deutlich feinfühliger für das Spiel machen.

Hier einmal die wichtigsten Beispiele zusammengefasst:

  • Talent Selection – Auswahl der Talente

Einige Spieler erfahren die Dissonanz mit individuellen Builds oder jene die ihnen vorgeschlagen wurden. Sofern du zu einer Seite wie dieser hier kommst, um dir eventuell Anregungen und Hilfe bzgl. der besten Builds zu holen, so gelangst du hierher mit einer gewissen Grunderwartung an diese Seite – und über dessen Information über spezielle Helden und deren Talente.

Hierzu ein Beispiel: Ein TempoStorm Topspieler rät mit Leoric Entomb (Einkerkern) zu nehmen, aber du selbst hasst diese Fähigkeit. Trotzdem nimmst du nun Entomb, weil dies ein renommierter Spieler vorschlägt, auch wenn deine eigenen Erfahrungen mit der Fähigkeit eher negativ waren. Du tust also etwas, was du selbst nicht machen würdest, nur weil du glaubst es ist nur so richtig. Und genau das ist Kognitive Dissonanz!

Natürlich gibt es einige Wege diese Art der Dissonanz zu umgehen. Du kannst den Einsatz mit Entomb zum Beispiel üben, um mit dessen Handhabung besser zu werden – eventuell kommst du nach einiger Zeit sogar zu der gleichen Meinung/Auffassung wie der TempoStorm Prospieler. Du kannst aber auch selbst noch nach zusätzlicher Information bezüglich dieses Talentes suchen, um deine Erwartungen entweder zu bestärken oder eben auch zu vermindern. Wenn du zum Beispiel mal auf HotsLogs.com vorbeischaust, dann stellst du fest, dass 61% der Leute „March of the Black-King“ gegenüber Entomb bevorzugen. Am besten führst du auch selbst Buch über Deine Gewinnchancen (Winrate) mit einer bestimmten heroischen Fähigkeit. Treffe also zukünftige Entscheidungen aus deiner persönlichen Informationsquelle anstelle von vagen Vermutungen oder irreführenden Gefühlen.

  • Hero Selection – Helden Auswahl

Ein weiterer Bereich, der von der Kognitiven Dissonanz abgedeckt wird, lässt sich in den Drafts unserer Hero League wiederfinden.

Stell dir mal folgende Situation vor:

Du bist der festen Überzeugung, Kael’thas und Jaina sind die besten Assassinen die es gibt. Wenn dann aber einer deiner Teammates Illidan über Jaina oder Kael pickt, könnte es in dir einen negativen Gemütszustand hervorrufen. Du bist der absoluten Meinung, dass Illidan einer der schlimmsten Helden ist, den man je nehmen könnte. Und deswegen glaubst du nun, weil der Typ Illidan genommen hat, dass das Spiel bereits gelaufen ist.

Jetzt denkst du dir, der einzige Weg das Spiel – trotz des Illidans – noch zu retten, wäre Abathur zu nehmen. Du hast mal gehört, Illidan in Kombination mit Abathur sei relativ gut. Dummerweise magst du es aber gar nicht mit Abathur zu spielen, dennoch tust du es, um das Spiel vielleicht doch noch zu gewinnen. Und hier hast du nochmal ein perfektes Beispiel der Kognitiven Dissonanz.

Du kannst die Dissonanz aber auch dann spüren, wenn dein Gegner dir deinen Lieblingshelden vor der Nase weggeschnappt hat. Stell dir auch hierzu mal vor:

Du bist total gehyped entweder Tychus, Sonya oder Zagara spielen zu können. Blöd ist nur: das Gegnerteam hat sich mal eben alle drei Helden unter den Nagel gerissen und jetzt hast du schon gar keinen Bock mehr zu spielen. Nun bist du gezwungen einen anderen Helden zu spielen, den du gar nicht spielen wolltest. Diese Frustration, die du beim Draften erfahren musstest, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf deine Spielperfomance niederschmettern. Du spielst schlecht und das einzig allein aus deiner vorangegangenen Enttäuschung heraus. Um diesen ganzen Unmut zu umgehen, solltest du die Hero League ohne Erwartungen und ohne feste Pläne betreten. Sei flexibel und passe dich dem Draft an. Denk aktiv über den Draft nach und entscheide danach welcher Held die beste Wahl sein wird.

  • Objectives – Objekte/Events

Die Strategie die sich hinter Objectives verbürgt kann zudem auch störende Bereiche der Kognitiven Dissonanz hervorrufen. So sind in Heroes of the Storm die Objekte mit unter das Wichtigste am gesamten Spiel. Nicht selten pingen Mitspieler wie wild um ihre Teammates zu den Events zu navigieren und können auch sehr ausfallend werden, sobald man zu spät dort ankommt. Andere sind sogar so extrem und „ragequitten“ (also beenden einfach das Spiel), wenn man nur ein Objekt nicht bekommt.

Stell dir hierzu einmal vor:

Du rennst zu dem Objekt, obwohl du sehr wenig Leben und Mana hast, weil du eben nicht die Missgunst deiner Mitspieler spüren möchtest. Dennoch wäre es wesentlich klüger gewesen, wenn du dir kurz Zeit genommen hättest, um dich neu aufzufüllen. Du könntest aber auch dein Team dazu ermutigen erstmal Erfahrung anstatt des Objekts zu farmen. Aber du entschließt dich, aufgrund der Tatsache, dass du eventuell deine Mitspieler verärgern könntest, für die wesentlich schlechtere Variante. Dieses ist auch ein Effekt der Kognitiven Dissonanz. Wenn du lernst diesen Missstand richtig zu erkennen und daraufhin deine Entscheidung anpasst, wird dies Dmdich – auf kurz oder lang gesehen- zu einem besseren Spieler erziehen.

Common Dangers of Dissonance Reduction – Gängige Gefahren der Dissonanzreduktion

Es gibt einige Beispiele für schlechte Dissonanzreduktions-Strategien. So werden einige Floskeln immerzu wieder von Spielern aufgegriffen, um eben ihre blödsinnige Spielweise zu rechtfertigen.

  • “Against the Meta” – „Gegen die Meta“

Der Begriff des „Meta-Spiels“ ist ein Werk der Community und wird von dieser auch allzu gerne benutzt. Dieser Begriff beschreibt welche Helden zurzeit oft gespielt werden und welche unabdingbar für ein gutes Spiel sind. Du magst vielleicht Gazlowe lieben und daher verstehst du nicht, warum dieser Held nicht zu den Favoriten gehört. So rennst du beispielsweise zu Reddit (einer Internet-Plattform) und drückst jedem aufs Auge, dass du – auch wenn du Gazlowe spielst – alles umhaust. Du spielst also gegen die aktuelle Meta. Du glaubst Gazlowe bekommt nicht die Wertschätzung, die er eigentlich verdient hätte und bist fassungslos warum ihn so wenig Leute spielen.

In Realität besagen einige Quellen aber, dass Gazlowe ein Mid-Tier Held ist, welcher keinen vergleichbaren Stellenwert mitbringt den andere Spezialisten haben. „Gegen die Meta“ zu gehen ist dein Weg, um deine Entscheidung zu bestärken und um diese auch zu rechtfertigen – egal was andere Quellen, andere Meinungen und Erfahrungen sagen. Du magst sogar eine wirklich gute Winrate mit Gazlowe verzeichnen, aber könnte diese nicht noch höher mit einem anderem Spezialisten liegen? Wie zum Beispiel Zagara? Gäbe es dann nicht noch tausend andere Gazlowe-Spieler, wenn er wirklich so toll ist wie du sagst?

  • “Worth It” – „Hat sich gelohnt!“

Manchmal findest du Spieler die einen sehr gefährlichen Schritt wagen. Auch wenn der Ertrag aus dieser riskanten Aktion eher gering ist, so wird der Spieler damit seinen unnützen Tod rechtfertigen wollen. Sie verstehen aber in diesem Moment schon selbst, dass das eben nicht der schlauste Zug war und verspüren daher den Drang sich eben noch schnell mitzuteilen. Das ist der Moment wo du als Mitspieler diesen wunderschönen Ausruf lesen darfst: „Worth it!“. Sie wollen dir damit vermitteln, dass ihr bescheuerter Schritt einen doch sehr wichtigen Effekt am gesamten Spiel haben wird.

Dies ist ebenfalls eine Dissonanzreduktions-Strategie. Und um ehrlich zu sein, eine ziemlich Schlechte. Wenn Du der Meinung bist, Ausrufe wie „Worth it“ sind wirklich notwendig um deine Spielweise zu beschönigen, solltest du ganz schnell nochmal reflektieren und dich fragen, war es wirklich so lohnenswert? Schau dir ggf. dein Replay noch dazu an.

  • “The Game is Over” – „Das Spiel ist vorbei“

Das, meine Freunde, ist mit Abstand die gängigste und zugleich auch fatalste Dissonzreduktionstaktik. Es gibt einige gute Exemplare von Spielern, die zurück zur Base rennen und das Spiel als verloren betiteln sobald es nicht mehr gut genug läuft. Diese Leute hatten große Erwartungen an das Spiel, aber stattdessen haben sie ordentlich eins auf die Nase bekommen. Diese Erfahrung kann daher eine sehr unangenehme Dissonanz hervorrufen.

Aber anstatt wie ein beleidigtes Kind das Spiel zu verweigern, könntest du diese negative Erfahrung als Motivation ansehen, um eben deine Spielweise damit entscheidend zu verbessern. Solche Spieler wollen einfach dieses „schlimme“ Spiel so schnell wie möglich beenden, da sie sich nicht weiter vor Augen führen lassen wollen, dass ihr Bestes eben nicht gut genug war. Es ist wesentlich einfacher vor etwas wegzurennen als sich dem Problem zu stellen!

Und ganz ehrlich Leute, das ist Mist. Großer Mist. Also, bitte tut euch und euren Mitspielern den Gefallen – macht sowas nicht. Sei kein Baby. Überwindet eure Schwächen mit positiver Energie und Willensstärke!

 

Jetzt solltet Ihr einen guten ersten Einblick in das Prinzip der Kognitiven Dissonanz erhalten haben und wie es eben euch und euer Spiel beeinflussen kann. Ich hoffe ihr beherzigt diese Tipps und trainiert die Momente der Dissonanz erkennen zu können. Je früher ihr anfangt die negativen Aspekte eurer Gefühle im Spiel zu verstehen, desto schneller wird sich dies positiv für euch auswirken.

 

 

Quelle: Blizzard, Stormkings
Bildquelle: Tempostorm

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