Das Erfolgskonzept von Blizzard – Teil 2

Im Teil 1 dieses Artikels habe ich letzte Woche aufgezeigt, nach welchem Schema Blizzard seine Spiele entwickelt. Das Unternehmen greift ein bestehendes Konzept auf, bricht es auf das Wesentliche herunter, gibt dem Ganzen mehr Geschwindigkeit und fügt noch ein paar kleine, aber entscheidende Innovationen hinzu. Dieses Entwicklungskonzept wurde in den letzten Jahren immer wieder von Blizzard Fans kritisiert. Im Wesentlichen hört man auf den verschiedenen Plattformen ( https://www.facebook.com/groups/heroes18plus/ ) immer wieder zwei Kritikpunkte am Entwicklungskonzept von Blizzard:

Alles nur geklaut

Immer lauter hört man in den letzten Jahren die Kritik, dass Blizzard sich nichts Neues mehr ausdenkt, sondern nur von anderen Entwicklern kopiert. Im ersten Teil habe ich aufgezeigt, dass Blizzard sehr wohl bestehende Konzepte nimmt, aber diese dann beschleunigt, aufs Wesentliche herunterbricht und noch ein paar kleine eigene Innovationen hinzufügt. Dabei entstand in der Vergangenheit jedes Mal ein Spiel, das sich völlig vom geistigen Vorbild unterschied und immer den einzigartigen Blizzard Charme hatte. Den Kritikern reicht das aber nicht, sie wollen kein altes Konzept so umgesetzt, dass es sich neu anfühlt, sie fordern völlig neue Konzepte. Nicht einfach das zehnte MOBA auf den Markt hauen, nicht einfach das gefühlt hundertste Card Game in den App Store packen, sondern mit etwas völlig Neuem überzeugen, so wie früher.
Genau an dieser Stelle vergessen die Kritiker, dass Blizzard „früher“ auch keine völlig neuen Konzepte nutzte. Warcraft war nicht das erste MMO, Starcraft wurde entwickelt, nachdem Blizzard gesehen hatte, welchen Erfolg Commande and Conquer als Echtzeitstrategiespiel im futuristischen Setup hatte und selbst zu seinen Anfängen hat der Unternehmer Blackhawk nach dem Vorbild von Prince of Percia entwickelt. Wenn wir heute melancholisch zurückblicken, denken wir nur, die damaligen Blizzard Spiele wären etwas völlig Neues gewesen, aber in Wahrheit richtet sich der Spielemarkt nach Trends und wenn ein Entwickler einen neuen Trend schafft, eifern die Anderem ihm nach, Blizzard ist da keine Ausnahme.
Außerdem ist es auch nicht Blizzards Aufgabe die völlig neuen Wege zu gehen. Blizzard ist ein Big Player, der primär seine Postion sichern will. Deshalb versucht das Unternehmen, das Risiko zu minimieren. Funktionierende Konzepte aufzugreifen ist daher eine gängige Strategie für so große Entwickler, die viel zu verlieren haben. Total Neues auszuprobieren, ist das Privileg von kleinen Entwicklern, die dadurch die einzige Möglichkeit sehen am Markt, wahrgenommen zu werden. Von einem großen Blizzard erwarte ich mega Produktionen, die Audio-, Video-, Gameplay- und Storytechnisch ein High End Produkt sind, aber nicht, dass sie große Experimente wagen.

Alles viel zu einfach

Der zweite große Kritikpunkt an der Blizzard Entwicklung ist, dass alles viel zu einfach wird. Nach BC kann man jedes WOW vergessen, in Starcraft 1 musste man für die Kampange auch noch was können und Diablo 2 konnte ich im Gegensatz zu Diablo 3 nicht mit verbundenen Augen durch rennen. Ein Grund, warum wir die alten Games als so viel anspruchsvoller empfinden, ist unser Alter. Zelda: A Link to the Past war für mich damals in der dritten Klasse eines der schwierigsten Spiele überhaupt. Teilweise habe ich einen ganzen Tag damit verbracht, immer wieder einen Boss zu bekämpfen, bis dieser endlich tot war. In meinen letzten Semesterferien habe ich mein altes Super Nindento mal wieder  ausgepackt und Zelda eingelegt, nach 24 Stunden war ich mit dem Spiel durch und sehr desillusioniert, was den Schwierigkeitsgrad anging. Manchmal denken wir, Spiele wären so viel schwerer gewesen, weil wir damals einfach kleine Kinder waren, für die ein einfaches Zelda eine extreme Herausforderung darstellte.
Blizzard stand in den letzten Jahren allerdings wirklich vor einer Herausforderung, was den Schwierigkeitsgrad ihrer Spiele angeht. Zum Einen haben sie ihre Stammkundschaft, die sehr erfahren mit ihren Games ist und die sie unbedingt halten müssen. Gleichzeitig können sie sich aber nicht auf den Stammkunden ausruhen, sondern müssen neue Kunden generieren, um langfristig zu bestehen, diese neuen Kunden haben oft kaum Erfahrung mit ihren Games. Außerdem möchte das Unternehmen die E-Sport Szene an sich binden, da sich um diese eine Community bildet und sie das Game nach vorne bringen. Wenn wir also davon ausgehen, dass die Stammkunden einen mittleren Schwierigkeitsgrad ausmachen, brauchen die neuen Kunden einen leichten und die Profis einen extremen Schwierigkeitsgrad.
Blizzard versucht diese unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade durch Ligasysteme, große Nephalemportale oder einen roten Knopf in Ulduar umzusetzen. Meistens gelingt dieses auch gut und oft habe ich den Eindruck, die Spieler, die schreiben, dass seit WoW Classic alles Schrott ist, wollen weniger damit das Spiel kritisieren, sondern eher damit angeben, dass sie schon seit Classic spielen. Ein bisschen wie der Opa, der der Meinung ist, früher wäre alles besser gewesen. Früher habe ich gerne mal 45 Minuten vor dem Dungen gewartet, bis die eine Klasse eingetroffen ist, die uns noch gefehlt hat, waren das wirklich bessere Zeiten?
Egal welche Meinung man über den Schwierigkeitsgrad der jüngsten Blizzard Spiele hat, Hearthstone, Heroes of the Storm, Starcraft 2 und Diablo 3 werden von casual Gamern, bis zu E-Sportlern gespielt und gefeiert. Daher muss das Unternehmen hier etwas richtig gemacht haben.

Die Kritik an der Entwicklungspolitik von Blizzard kommt so sicher wie das nächste Blizzard Spiel. Bemerkenswert ist doch aber, dass die Kritik am lautesten ist, bevor noch überhaupt jemand das Spiel gezockt hat. Ich erinnere mich, was online los war, als bekannt wurde, dass es in Heroes of the Storm keine Items geben wird oder als die Entwicklung von Hearthstone released wurde. Sobald die Spiele dann aber draußen sind, spielt es eh wieder jeder, egal wie laut vorher gehatet wurde.

Gruß Tobias Messner  www.youtube.com/channel/UC5Fb8eUY8DREc6ATgsaJopQ

Quelle: Stormkings

About soxbomb

Als Zocker der ersten Stunde spiele ich alles was mir unter die Finger kommt. Am besten aber bin ich im Shooter Genre aufgehoben, als ehemaliger eSportler / Counterstriker liegt mir das Genre und dessen Community besonders am Herzen. Aber auch der Blick über den Tellerrand bleibt natürlich nicht auf der Strecke. So zocke ich auch gerne mal das ein oder andere Rollenspiel und auch Strategie Spielen oder tollen Indie Titeln bin ich nicht abgeneigt.

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